Tiroler Frauenhaus – Schutz für alle Frauen

Tiroler Frauenhaus - Schutz für alle Frauen, Foto: Knut Kuckel
Tiroler Frauenhaus - Schutz für alle Frauen, Foto: Knut Kuckel

Das Tiroler Frauenhaus ist eine Einrichtung für körperlich, psychisch und/oder sexuell misshandelte Frauen und Kinder. Bis zu einem Jahr können sie diesen Schutzraum in Anspruch nehmen. Die zentralen Elemente im Angebot sind Schutz und Sicherheit, vielseitige Beratung und Begleitung auf verschiedenen Ebenen, die Stärkung der Ressourcen der betroffenen Frauen und Kinder sowie umfangreiche Öffentlichkeits- und Präventionsarbeit, um andere neue Perspektiven zu entwickeln bzw. sichtbar zu machen. Entsprechend Ressourcen orientiert ist auch der Alltag gestaltet.

Alltag heißt zum einen, diesen geschützten Wohnraum in Anspruch nehmen zu können. Acht Frauen und bis zu elf Kinder können im Frauenhaus wohnen. Zusätzlich verfügt das Frauenhaus über Notschlafplätze, so die Zimmer alle belegt sind. Das Zusammenleben von so vielen Frauen und Kindern unter einem Dach erfordert natürlich auch bestimmte Hausregeln und Regeln des Zusammenlebens. Insofern ist das Frauenhaus Tiroler Frauenhaus – Schutz für alle Frauen – auch mit einer großen Wohngemeinschaft zu vergleichen.

Der Alltag schaut für jede einzelne Frau und jedes einzelne Kind sehr unterschiedlich aus. Manche Frauen stehen in der Früh auf und gehen ihrer Arbeit nach. Dementsprechend anders gestaltet sich auch ihr Alltag im Vergleich zu Frauen, die nicht arbeiten gehen können, weil sie beispielsweise zu gefährdet sind oder weil der Antrag auf eine einstweilige Verfügung noch nicht durch ist und sie daher noch auf keinen ausreichenden gesetzlichen Schutz zurückgreifen können, um sich sicher genug zu fühlen. Diese Frauen verbringen dann notgedrungen sehr viel Zeit im Haus, was natürlich auch belastend sein kann. Immer im Haus bleiben zu müssen, heißt, den Alltag entsprechend der Möglichkeiten im Haus gestalten zu müssen. Ein Teil des Alltags im Haus ist die Beratung. Wie soll es weitergehen? Gibt es neue Perspektiven? Welche Möglichkeiten des Ausstiegs aus der Gewaltdynamik gibt es? Welche Schritte sind wann zu tun? Wir unterstützen die betroffenen Frauen bei Arbeits- und Wohnungssuche, bei Existenz sichernden Maßnahmen.

Die psychosoziale Beratung ist ebenfalls enorm wichtig. Hier geht es schwerpunktmäßig auch um das, was Frauen an Verletzungen erlebt haben. Zusätzlich braucht es oft auch noch therapeutische Unterstützung vor allem bei schwer traumatisierten Frauen und Kindern. Dazu vermitteln wir meist an Therapieplätze außer  Haus, weil man sich vorstellen muss dass das Haus eben nicht „nur“ soziale Einrichtung, sondern eben auch der private Wohnraum der Frauen und Kinder ist. Im Haus Therapien anzubieten, wäre deshalb nicht möglich. All diese Aspekte strukturieren den Alltag und machen ihn dementsprechend vielseitig. Es geht um das Alltägliche wie Wohnen, Essen, Trinken, Zusammenleben. Gleichbedeutend aber auch um Schutz und Sicherheit, Existenzsicherung, Entwickeln neuer Lebensperspektiven und Aufarbeitung – zumindest ansatzweise – dessen, was sie an Verletzungen erlebt haben. Das gilt sowohl für die Frauen als auch für die Kinder. Dementsprechend vielseitig ist auch unser Beratungs- und Begleitungsangebot für die Frauen und Kinder im Haus.

Prinzipiell betrifft häusliche Gewalt Frauen und Kinder aller Schichten. Ins Frauenhaus selbst kommen meist Frauen mit oder ohne Kinder, die keine oder kaum andere Ressourcen haben – finanzielle Ressourcen oder andere soziale Netzwerke wie Freunde, Bekannte, Familie. Die Familie selbst ist oft der Ort, von dem die Gefahr ausgeht. Auch eine Wegweisung kann für manche Frauen mit Mehrfachproblematiken die Probleme nicht oder nicht ausreichend lösen.

In manchen Fällen ist es nämlich so, dass es nicht nur einen Täter gibt. Wenn nicht nur der Ehemann oder Partner gewalttätig ist, sondern auch weitere Personen im Familienumkreis, dann nützt es wenig, einen Gewalttäter wegzuweisen, während die betroffene Frau Gefahr von den anderen zu befürchten hat. Dann bringt es nichts, wenn die Frau in der Wohnung bleiben kann. Daher gilt für den Bereich der Opferschutzarbeit immer, dass die Angebote so vielseitig wie möglich sein müssen. Zum Glück gibt es seit 1997 das Gewaltschutzgesetz und zum Glück gibt es auch Frauenhäuser, wo Frauen hinkönnen, bei denen das Gewaltschutzgesetz alleine zu kurz greifen würde. Was heißt hier „zum Glück“! Schöner wäre natürlich, wir bräuchten das alles nicht, weil es keine Gewalt gibt.

Quelle: → Pauliner Forum, Maga. Gabriele Plattner, Geschäftsführerin des Tiroler Frauenhauses, im Gespräch mit Sylvia Leitinger (MJ 1996) und Martina Fuchs (MJ 1998), 20.04.2012.

[lightgrey_box]Das Tiroler Frauenhaus gibt es seit 30 Jahren. In den letzten 30 Jahren haben sich durchschnittlich 16 Personen täglich dort aufgehalten. Schutz Unterkunft Beratung, Telefon: 0512 342112. Weitere Details siehe: → www.tirolerfrauenhaus.at

Spendenkonto:
Tiroler Sparkasse, BLZ 20503
Konto Nr. 0000 0046 797[/lightgrey_box]

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